Thursday, July 29, 2010 21:41

Hurra, Deutschland!

Juni 14th, 2010 geschrieben von Asmodeus

Jaaaaaaa, ich weiß doch selbst, dass ich schon lange nichts mehr geschrieben habe.  Wisst ihr, es gibt wirklich genug Dinge, über die ich mich aufregen könnte, aber diese folgen in den letzten Wochen so dicht aufeinander, dass ich noch gar nicht mit der Aufregen über eine Sache klargekommen bin und dann ist plötzlich schon der nächste Mist da. Wie soll man da noch vernünftig bloggen und sich mal so richtig auskotzen können? Und was mach ich jetzt? Hmm… ich glaube,  ich schiebe die alten Themen erstmal noch auf die lange Bank und schreibe erstmal, was mich akut am meisten nervt, denn darin hat mein Blog inzwischen seine Hauptdaseinsberechtigung… “gehst Du noch zum Therapeuten oder bloggst Du schon“?

Also wenden wir mal der aktuellen Lage entsprechend unseren imaginären Blick gen Süden, wir lassen unsere Augen über die südliche Landesgrenze schweifen, ignorieren das die zwei kleinen Alpenländer (die nach Meinung vieler Deutscher nur dafür da sind um auf dem Weg zwischen Deutschland und Italien nochmal ordentlich Radaranlagenbußgelder zu kassieren), durchstreifen Itialen von Nord bis Süd und huschen geschwind über das Mittelmeer und dann sind wir auch schon da…. wir erreichen die Küste des afrikanischen Kontinents und somit (wenn auch noch viel zu weit nördlich) das derzeitige Paradies eines jeden Fussballsüchtigen in diesem unseren Lande.

Nein, ich habe nicht die Absicht hier über Fußball zu schreiben, denn ich kann Fußball nicht leiden. Der Vollständigkeit wegen erwähne ich, dass wir gestern 4:0 gewonnen haben (gegen Australien) und damit soll es mit dem Geschreibe über Fußball und den Sport auch schon genug sein.

Ich möchte über etwas anderes schreiben… etwas, das mit Fußball hierzulande eigentlich gar nichts zu tun hat… etwas, ohne das Fußball hierzulande paradoxerweise aber plötzlich gar nicht mehr auszukommen scheint…

Dieses “Etwas” ist bis zu 1 Meter lang (die meisten Exemplare sind aber 30-40 cm) und aus Kunstoff oder Blech in Trompetenform hergestellt. Es nennt sich “Vuvuzela” und Wikipedia bezeichnet diesen Horror so:

Die Vuvuzela [vuvuˈzɛla] (Zulu) (auf Setswana manchmal auch Lepatata genannt) ist ein Blasinstrument und ein Symbol[1][2][3] des südafrikanischen Fußballs. 

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Vuvuzela

Das ist eine nette Umschreibung für ein Teil, das (wenn es nach mir ginge) in die Liste der Gegenstände aufgenommen werden müsste, die allgemein unter das Kriegswaffenkontrollgesetz fallen. Bis zu 130 dBA kommen aus diesen Scheissteil heraus und es ist obendrein auch noch so kinderleicht zu bedienen, dass es selbst kleine Kinder und stockbessoffene Erwachsene noch immer problemlos handhaben können. Wenn man in der Nähe des Schalltrichters einer solchen Trompete steht, dann weiß man wovon der gute alte Johannes gesprochen hat, als er in seiner Offenbarung von Trompeten berichtet hat, mit denen die einzelnen Szenen der Apokalypse eingeläutet werden.

Ich nenne das ganze auch schon lange nicht mehr Vuvuzela, sondern “Die Rache der Dritten Welt an den Industrienationen” und wenn SOWAS dabei herauskommt, wenn Spendengelder für Forschung und Entwicklung und den Aufbau von Produktionsanlagen in Afrika eingesetzt werden, dann spende ich in meinem ganzen Leben keinen einzigen Cent für irgendein afrikanisches Land.

Ich habe heute Morgen auf die Uhr geschaut, Freunde. Heute morgen war es genau 07:10 Uhr als ich wieder die erste lautstarke Vuvuzela-Dröhnung bekommen habe. Nein, ich sitze nicht in Südafrika und ich habe auch TV und Radio (ja, beides bei der GEZ angemeldet) abgeschaltet. Diese Scheissteile kann man bei uns hier mitten in der Ruhrpottrandzone von früh Morgens bis spät Abends live hören und zwar völlig unabhängig davon, ob gerade ein WM-Spiel stattfindet oder nicht, denn es gab leider genug unzurechnungsfähige Eltern, die ihren Kindern solche Dinger in die Hand gedrückt haben…. lasst die Kinder doch lieber mit Silvesterknallern spielen, aber nehmt ihnen diese Tröten weg!

Aber auch die Erwachsenen sind mir in diesen Tagen ein Buch mit sieben Siegeln. Nein, im Ernst, denn mir will das nicht einleuchten: Deutschland schießt ein Tor (ok, ich rede schon wieder vom Fußball, aber das muss sein) und dann erheben sich hier in unserer hübschen Wohnanlage, idyllisch gelegen am Rand eines Natur- und Freizeitparks und fernab von irgendwelchen Menschenansammlungen (insb. PublicViewing-Plätzen) die Leute aus ihren TV-Sesseln, greifen sich ihre Vuvuzela und treten (je nach Mietobjekt) auf ihren Balkon oder ans Fenster und belästigen die gesamte gegenüberliegende Straßenseite mit ihren Schalldrucktrompeten…

WARUM ZUM TEUFEL?!?

Können die sich nicht einfach freuen und im Wohnzimmer jubeln und sich dabei die Wiederholung des Tors in Zeitlupe anschauen? Wieso zur Hölle muss man, nur weil ein deutscher Fußballer ein Tor geschossen hat, die Nachbarn deswegen belästigen? Was können die denn bitteschön dafür? Ich kapiers einfach nicht.

In manchen Städten soll diese Misttröte bereits verboten sein. Hamm hinkt hinterher, was nicht weiter verwundert, denn das Hinterherhinken ist eine von Hamms herausragendsten Eigenschaften. Man könnte es fast schon typisch nennen… außer in der Bildung, denn da sind wir ziemlich weit vorne… aber nur, wenn man die Landesliste der Städte in NRW von hinten zu lesen beginnt. Aber das ist ein anderes Thema… oder vielleicht doch nicht? Vielleicht hat ja doch das eine mit dem anderen was zu tun, denn besonders intelligent darf man nicht sein, wenn man sich benehmen will wie meine Nachbarn… hier, in unserer Straße.

Bleibt zu hoffen, dass der Vuvuzela-Alptraum bald endet und Deutschland möglichst früh aus der Weltmeisterschaft fliegt. Ich pfeiff drauf Weltmeister zu werden, wenn dafür dieses mörderische Getröte von früh Morgens (ich wiederhole es nochmal gerne: 07:10 Uhr!) bis spät Nachts aufhört.

Wer’s mag, kann sich diesen Artikel übrigens auch im original WM-Feeling anzeigen lassen. Dazu einfach HIER klicken.

In diesem Sinne, Hurra Deutschland.

Der schöne Tag und ein trauriger Abschied

April 25th, 2010 geschrieben von Asmodeus

Ich mag es, wenn man morgens aufwacht und schon die pralle Sonne durch die Ritzen des Rolladens blitzen sieht, wenn man dann auch schon die meisten Fenster öffnen und sich von frischer angenehm kühler (aber eben nicht zu kalter) Luft den Muff der letzten Nacht aus der Wohnung blasen lassen kann.

So ein Tag kann doch eigentlich nur gut werden.
Könnte er, wäre da nicht der Unterwäschewechsel nach der morgendlichen Dusche.

Denn direkt danach stelle ich mir, wie so oft, schon wieder die immer gleiche Frage: “Wieso zum Teufel haben eigentlich alle meine Lieblingsshorts Löcher im Schritt?!

So viel habe ich “da unten” doch auch wieder nicht geparkt und stahlhart ist “das” eigentlich auch nicht, von übermäßiger Beanspruchung kann man bei meinen inzwischen 36 Lebensjahren auch nicht unbedingt mehr ausgehen. Dennoch neigen meine Shorts in auffälliger Häufung zu dem immer gleichen Löchern an den immer gleichen Stellen. Das Phänomen ist schnitt- und markenübergreifend, denn selbst die Shorts der teueren Hersteller sind davon betroffen.

Und so kommt es, wie es wieder einmal kommen muss… sehr viel später als es Stigma noch für vertretbar halten würde, muss ich mich wieder von einer meiner Lieblingsshorts trennen. Natürlich geschieht das wie es sich bei alten Freunden gehört standesgemäß mit kurzer Traueransprache vor dem Mülleimer und einer Gedenkminute an die gemeinsamen Momente (bzw. bei den ganz alten Modellen auch die gemeinsamen Erlebnisse mit diversen Exfreundinnen), bevor mein treuer Begleiter dann entsorgt wird.

Stigma findet das albern, aber ich hänge eben an meinen Shorts und so mancher Mann weiß wie sauschwer es ist gute Shorts zu finden, wenn man ganz genau definitierte Ansprüche hat.

Sommer, Sonne und die Melodie von Tetris

April 23rd, 2010 geschrieben von Asmodeus

Die Sonne kommt raus und der Wettermann im brav von mir gebührenbezahlten Deutschen Staatsfernsehen sagt, dass es am Wochenende sonnig bleiben wird. Nun, das stimmt zwar nicht mit der Wettervorhersage im WWW überein, aber die ist auch kostenlos gewesen. Daher glaube ich mal dem Wettermann im Öffentlich Rechtlichen, denn ich will wenigstens das subjektive Gefühl haben, dass meine quartalsmäßig bezahlten Euro 53,94 gut angelegt sind.

Trotz Sonnenscheins ist es noch ordentlich frisch draußen. Ich muss es wissen, ich war gerade Brötchen holen, denn die Küche gab nichts mehr her und es ist selbst für meine Verhältnisse wenig sexy den Tag gleich mit Paella oder abgelaufenen Chicken-Wings aus der Tiefkühltruhe zu beginnen, vor allem, wenn man mit dem Magen später noch arbeiten gehen muss.

Nun, wie dem auch sei… wenn es so kalt und doch sonnig ist, fühle ich mich immer wieder an das kleine Städtchen erinnert, in dem ich meine jungen Jahre verbracht habe… wobei (da bin ich mir ziemlich sicher) das Phänomen in jeder Stadt, die einen Marktplatz und ein Cafe besitzt, auftreten wird: da gibt es doch immer die sonnenhungrigen Sommerfreaks, die schon bei den ersten Sonnenstrahlen im Jahr kein Halten mehr kennen und in dicken Daunenjacken draußen im Cafe sitzen und möglichst frühzeitig schon den ersten Eiskaffee zu lutschen. Diese Genossen geben sich die Hand mit all den Cabrio-Fetischisten, die auch schon ab 10 Crad Ceslsius oben ohne fahren.

Naja, sollen sie auch dürfen, ist ja ihre Sache… meine Sache ist es aber auch, wenn ich darüber schmunzle.

Derweil habe ich, vom Einkauf zurückgekommen, wieder die zwei gleichen Probleme wie immer:

  1. Mehr eingekauft als ich wollte
  2. Weniger Kühlschrank als ich dachte

Und wie ich so vor dem Tiefkühlfach stehe und bemerke, dass die Lasagne, die zum Juni 2009 abgelaufen war, nicht verzehrt wurde, frage ich mich nicht nur wohin ich nun das ganze eingekaufte Zeug packen soll, sondern wieso eigentlich noch kein Kühlschrank erfunden wurde, der die Tetrismelodie spielt, sobald man ihn öffnet. Technisch kein Problem, mit dem Licht klappts doch auch. So hätte man beim Kühlschrankeinräumen wenigstens das Gefühl von guter Unterhaltung.

Notiz für später: unbedingt Gamerkühlschrank erfinden, große Marktlücke!

Der Unaussprechliche wünscht gute Reise

April 20th, 2010 geschrieben von Asmodeus

Was genieße ich doch dieser Tage den Blick in den abendlichen Sternenhimmel.

Es ist bemerkenswert, wenn man nach oben schauen kann, ins All und sich dabei ins Gedächtnis ruft, dass manches Licht, das man heute Abend bei uns sehen kann, seine Reise schon angetreten hat, bevor auf unserem kleinen Staubhaufen ein Mann namens Jesus die seine begonnen haben soll. So lange schon (oder noch viel länger) ist so mancher Lichtpunkt unterwegs und ist doch, wenn er das Auge des Betrachters trifft, im Bruchteil eines Augenblicks wieder verpufft.

Der Blick in den Nachthimmel gefällt mir deshalb so gut, weil es ungewohnt ist, keine fliegenden blinkenden Lichter zu sehen. Die Flugzeuge in Europa sind am Boden – also genau dort, wo sich auch die Laune vieler gestrandeter Urlauber befindet – und das alles nur wegen einer Insel, die ein Großteil der europäischen Bevölkerung nicht einmal auf einer Weltkarte finden (oder allenfalls mit Grönland oder Irland verwechseln) würden.

Ist das nicht wunderbar ehrfurchtseinflößend zu bemerken, wie sehr wir in unserem technisch überheblichen Leben von einen aschespuckenden Berg (dessen Name kein Mensch unterhalb von 2,5 Promille fehlerfrei aussprechen kann)  tausende Kilometer entfernt in die Knie gezwungen werden? Ich finde sowas heilsam und notwendig für unser menschliches Bewusstsein, wähnen wir uns doch nicht nur biblisch als Gottes Bild, sondern spielen in Forschung und Technik selbst damit Gott sein zu wollen. Da kann so eine kleine Ohrfeige aus Island ganz gesund für unser Ego sein.

So manches, was selbstvertsändlich ist, ist eben gar nicht so selbstverständlich.

Es ist gut das nicht zu vergessen.

Grinsemänner

April 10th, 2010 geschrieben von Asmodeus

Zu keiner Zeit ist meine ganz persönliche Politikverdrossenheit höher als zu der Zeit, wenn die so genannte “heiße Phase” des Wahlkampfs beginnt.

Keine Straße kann man mehr entlang fahren ohne dass einem (auch von Steuergeld bezahlte) großflächig irgendwelche Grinsemänner zulächeln. Alle sorgen sie für Arbeit, Wohlstand, soziale Gerechtigkeit, bezahlbare Gesundheitsfürsorge und Weltfrieden… und manche interessiert das ganze auch weniger, solange sie nur legal MP3 und Filme kopieren können.

Regelmäßig alle vier Jahre rege ich mich über meine Landsleute auf, die sich wie Wahlvieh vor die Urnen führen lassen und genau den Leuten ihre Stimme geben, über die sie die letzten 4 Jahre nur gemeckert haben. Gut, so ist das eben in einem freien Land, denn damit es wirklich frei ist, muss man auch Dummköpfen ihre eigene Sichtweise zugestehen – sonst wäre die Freiheit dort, womit die Mehrheit unserer Wahlberechtigten zu denken scheint: im Arsch.

Mich ärgert nur, wie lernresistent der Deutsche Michel ist und dass er auch nach so vielen Wahlen noch immer auf die gleichen blumigen Versprechen und Täuschungen reinfällt, gerade so, als wäre die Demokratie gerade erst vor ein paar Jahren bei uns eingeführt worden. Kein Schwein (abgesehen von diversen vorausschauenden Menschen im journalistischen Bereich) regt sich darüber auf, dass man uns hartnäckig nicht sagen will, wo das Messer noch in diesem Jahr am Geldbeutel der Menschen angesetzt werden soll.

Natürlich weiß man das in Berlin schon heute. Natürlich weiß man, dass es unumgänglich ist (das ist zur Abwechslung auch mal die Wahrheit) und natürlich wird das auch passieren. Man sagt es uns aber nicht, denn man will die Steuerschätzung abwarten. Es ist natürlich reiner Zufall, dass vorher noch die extrem wichtige Landtagswahl in NRW stattfindet und mit einem schlechten Ausgang der Wahl auch die Mehrheit im Bundesrat kippt. Daher sagt man dem Wahlvieh lieber erst hinterher die Wahrheit, weil das viel besser ist udd es sowieso keinen interessiert, denn was der Deutsche nicht gesagt bekommt, ist auch nicht wahr. Wir sind eben zu allen Zeiten der Geschichte Meister der Selbsttäuschung.

Das Konzept ist aber auch nicht neu, denn die aktuelle Regierung hat das von der Opposition gelernt, die (als sie noch Regierungspartei war) das ebenso getan hat und die Wähler erst mit der “Merkelsteuer” (Erhöhung der MwSt) verängstigt und sie dann später auch noch selbst mitbeschlossen hat. (Interessante Mathematik: CDU kündigte 2% Erhöhung an, SPD versprach im Wahlkampf 0% und der Kompromiss belief sich dann auf 3%.)

Aber all das ist inzwischen vergessen. Bald wählt man wieder… obwohl jeder halbwegs intelligente Mensch WEISS dass uns die unangenehmen und bereits sicheren Wahrheiten verschwiegen werden, traben wir wie Vieh zur Urne. Da fällt mir ein Spruch aus einem Don Camillo Film ein: “Nur die dümmsten Kälber, wählen ihre Schlächter selber.”

Sicher, Wahlen müssen sein und Regieren ist kein Kinderspiel. Dass aber angesichts soviel Falschheit das Wahlvolk einfach regungslos bleibt, ist eine Sache, die mir einfach die Zornesröte ins Gesicht treibt. Nur ist in Zeiten wie diesen, wenn mir alle 5 Meter ein anderes Wahlplakat vor die Visage kommt, mein Blutdruck einfach chronisch oben.

In diesem Sinne schließe ich auch heute wieder mit meinem Lieblingszitat meines Lieblingspolitikers ab: “Everything hangs together”



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