Hurra, Deutschland!
Juni 14th, 2010 geschrieben von AsmodeusJaaaaaaa, ich weiß doch selbst, dass ich schon lange nichts mehr geschrieben habe. Wisst ihr, es gibt wirklich genug Dinge, über die ich mich aufregen könnte, aber diese folgen in den letzten Wochen so dicht aufeinander, dass ich noch gar nicht mit der Aufregen über eine Sache klargekommen bin und dann ist plötzlich schon der nächste Mist da. Wie soll man da noch vernünftig bloggen und sich mal so richtig auskotzen können? Und was mach ich jetzt? Hmm… ich glaube, ich schiebe die alten Themen erstmal noch auf die lange Bank und schreibe erstmal, was mich akut am meisten nervt, denn darin hat mein Blog inzwischen seine Hauptdaseinsberechtigung… “gehst Du noch zum Therapeuten oder bloggst Du schon“?
Also wenden wir mal der aktuellen Lage entsprechend unseren imaginären Blick gen Süden, wir lassen unsere Augen über die südliche Landesgrenze schweifen, ignorieren das die zwei kleinen Alpenländer (die nach Meinung vieler Deutscher nur dafür da sind um auf dem Weg zwischen Deutschland und Italien nochmal ordentlich Radaranlagenbußgelder zu kassieren), durchstreifen Itialen von Nord bis Süd und huschen geschwind über das Mittelmeer und dann sind wir auch schon da…. wir erreichen die Küste des afrikanischen Kontinents und somit (wenn auch noch viel zu weit nördlich) das derzeitige Paradies eines jeden Fussballsüchtigen in diesem unseren Lande.
Nein, ich habe nicht die Absicht hier über Fußball zu schreiben, denn ich kann Fußball nicht leiden. Der Vollständigkeit wegen erwähne ich, dass wir gestern 4:0 gewonnen haben (gegen Australien) und damit soll es mit dem Geschreibe über Fußball und den Sport auch schon genug sein.
Ich möchte über etwas anderes schreiben… etwas, das mit Fußball hierzulande eigentlich gar nichts zu tun hat… etwas, ohne das Fußball hierzulande paradoxerweise aber plötzlich gar nicht mehr auszukommen scheint…
Dieses “Etwas” ist bis zu 1 Meter lang (die meisten Exemplare sind aber 30-40 cm) und aus Kunstoff oder Blech in Trompetenform hergestellt. Es nennt sich “Vuvuzela” und Wikipedia bezeichnet diesen Horror so:
Die Vuvuzela [vuvuˈzɛla] (Zulu) (auf Setswana manchmal auch Lepatata genannt) ist ein Blasinstrument und ein Symbol[1][2][3] des südafrikanischen Fußballs.
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Vuvuzela
Das ist eine nette Umschreibung für ein Teil, das (wenn es nach mir ginge) in die Liste der Gegenstände aufgenommen werden müsste, die allgemein unter das Kriegswaffenkontrollgesetz fallen. Bis zu 130 dBA kommen aus diesen Scheissteil heraus und es ist obendrein auch noch so kinderleicht zu bedienen, dass es selbst kleine Kinder und stockbessoffene Erwachsene noch immer problemlos handhaben können. Wenn man in der Nähe des Schalltrichters einer solchen Trompete steht, dann weiß man wovon der gute alte Johannes gesprochen hat, als er in seiner Offenbarung von Trompeten berichtet hat, mit denen die einzelnen Szenen der Apokalypse eingeläutet werden.
Ich nenne das ganze auch schon lange nicht mehr Vuvuzela, sondern “Die Rache der Dritten Welt an den Industrienationen” und wenn SOWAS dabei herauskommt, wenn Spendengelder für Forschung und Entwicklung und den Aufbau von Produktionsanlagen in Afrika eingesetzt werden, dann spende ich in meinem ganzen Leben keinen einzigen Cent für irgendein afrikanisches Land.
Ich habe heute Morgen auf die Uhr geschaut, Freunde. Heute morgen war es genau 07:10 Uhr als ich wieder die erste lautstarke Vuvuzela-Dröhnung bekommen habe. Nein, ich sitze nicht in Südafrika und ich habe auch TV und Radio (ja, beides bei der GEZ angemeldet) abgeschaltet. Diese Scheissteile kann man bei uns hier mitten in der Ruhrpottrandzone von früh Morgens bis spät Abends live hören und zwar völlig unabhängig davon, ob gerade ein WM-Spiel stattfindet oder nicht, denn es gab leider genug unzurechnungsfähige Eltern, die ihren Kindern solche Dinger in die Hand gedrückt haben…. lasst die Kinder doch lieber mit Silvesterknallern spielen, aber nehmt ihnen diese Tröten weg!
Aber auch die Erwachsenen sind mir in diesen Tagen ein Buch mit sieben Siegeln. Nein, im Ernst, denn mir will das nicht einleuchten: Deutschland schießt ein Tor (ok, ich rede schon wieder vom Fußball, aber das muss sein) und dann erheben sich hier in unserer hübschen Wohnanlage, idyllisch gelegen am Rand eines Natur- und Freizeitparks und fernab von irgendwelchen Menschenansammlungen (insb. PublicViewing-Plätzen) die Leute aus ihren TV-Sesseln, greifen sich ihre Vuvuzela und treten (je nach Mietobjekt) auf ihren Balkon oder ans Fenster und belästigen die gesamte gegenüberliegende Straßenseite mit ihren Schalldrucktrompeten…
WARUM ZUM TEUFEL?!?
Können die sich nicht einfach freuen und im Wohnzimmer jubeln und sich dabei die Wiederholung des Tors in Zeitlupe anschauen? Wieso zur Hölle muss man, nur weil ein deutscher Fußballer ein Tor geschossen hat, die Nachbarn deswegen belästigen? Was können die denn bitteschön dafür? Ich kapiers einfach nicht.
In manchen Städten soll diese Misttröte bereits verboten sein. Hamm hinkt hinterher, was nicht weiter verwundert, denn das Hinterherhinken ist eine von Hamms herausragendsten Eigenschaften. Man könnte es fast schon typisch nennen… außer in der Bildung, denn da sind wir ziemlich weit vorne… aber nur, wenn man die Landesliste der Städte in NRW von hinten zu lesen beginnt. Aber das ist ein anderes Thema… oder vielleicht doch nicht? Vielleicht hat ja doch das eine mit dem anderen was zu tun, denn besonders intelligent darf man nicht sein, wenn man sich benehmen will wie meine Nachbarn… hier, in unserer Straße.
Bleibt zu hoffen, dass der Vuvuzela-Alptraum bald endet und Deutschland möglichst früh aus der Weltmeisterschaft fliegt. Ich pfeiff drauf Weltmeister zu werden, wenn dafür dieses mörderische Getröte von früh Morgens (ich wiederhole es nochmal gerne: 07:10 Uhr!) bis spät Nachts aufhört.
Wer’s mag, kann sich diesen Artikel übrigens auch im original WM-Feeling anzeigen lassen. Dazu einfach HIER klicken.
In diesem Sinne, Hurra Deutschland.