Thursday, September 09, 2010 19:02

Archiv April, 2010

Der schöne Tag und ein trauriger Abschied

Geschrieben von Asmodeus am Sonntag, April 25th, 2010

Ich mag es, wenn man morgens aufwacht und schon die pralle Sonne durch die Ritzen des Rolladens blitzen sieht, wenn man dann auch schon die meisten Fenster öffnen und sich von frischer angenehm kühler (aber eben nicht zu kalter) Luft den Muff der letzten Nacht aus der Wohnung blasen lassen kann.

So ein Tag kann doch eigentlich nur gut werden.
Könnte er, wäre da nicht der Unterwäschewechsel nach der morgendlichen Dusche.

Denn direkt danach stelle ich mir, wie so oft, schon wieder die immer gleiche Frage: “Wieso zum Teufel haben eigentlich alle meine Lieblingsshorts Löcher im Schritt?!

So viel habe ich “da unten” doch auch wieder nicht geparkt und stahlhart ist “das” eigentlich auch nicht, von übermäßiger Beanspruchung kann man bei meinen inzwischen 36 Lebensjahren auch nicht unbedingt mehr ausgehen. Dennoch neigen meine Shorts in auffälliger Häufung zu dem immer gleichen Löchern an den immer gleichen Stellen. Das Phänomen ist schnitt- und markenübergreifend, denn selbst die Shorts der teueren Hersteller sind davon betroffen.

Und so kommt es, wie es wieder einmal kommen muss… sehr viel später als es Stigma noch für vertretbar halten würde, muss ich mich wieder von einer meiner Lieblingsshorts trennen. Natürlich geschieht das wie es sich bei alten Freunden gehört standesgemäß mit kurzer Traueransprache vor dem Mülleimer und einer Gedenkminute an die gemeinsamen Momente (bzw. bei den ganz alten Modellen auch die gemeinsamen Erlebnisse mit diversen Exfreundinnen), bevor mein treuer Begleiter dann entsorgt wird.

Stigma findet das albern, aber ich hänge eben an meinen Shorts und so mancher Mann weiß wie sauschwer es ist gute Shorts zu finden, wenn man ganz genau definitierte Ansprüche hat.

Sommer, Sonne und die Melodie von Tetris

Geschrieben von Asmodeus am Freitag, April 23rd, 2010

Die Sonne kommt raus und der Wettermann im brav von mir gebührenbezahlten Deutschen Staatsfernsehen sagt, dass es am Wochenende sonnig bleiben wird. Nun, das stimmt zwar nicht mit der Wettervorhersage im WWW überein, aber die ist auch kostenlos gewesen. Daher glaube ich mal dem Wettermann im Öffentlich Rechtlichen, denn ich will wenigstens das subjektive Gefühl haben, dass meine quartalsmäßig bezahlten Euro 53,94 gut angelegt sind.

Trotz Sonnenscheins ist es noch ordentlich frisch draußen. Ich muss es wissen, ich war gerade Brötchen holen, denn die Küche gab nichts mehr her und es ist selbst für meine Verhältnisse wenig sexy den Tag gleich mit Paella oder abgelaufenen Chicken-Wings aus der Tiefkühltruhe zu beginnen, vor allem, wenn man mit dem Magen später noch arbeiten gehen muss.

Nun, wie dem auch sei… wenn es so kalt und doch sonnig ist, fühle ich mich immer wieder an das kleine Städtchen erinnert, in dem ich meine jungen Jahre verbracht habe… wobei (da bin ich mir ziemlich sicher) das Phänomen in jeder Stadt, die einen Marktplatz und ein Cafe besitzt, auftreten wird: da gibt es doch immer die sonnenhungrigen Sommerfreaks, die schon bei den ersten Sonnenstrahlen im Jahr kein Halten mehr kennen und in dicken Daunenjacken draußen im Cafe sitzen und möglichst frühzeitig schon den ersten Eiskaffee zu lutschen. Diese Genossen geben sich die Hand mit all den Cabrio-Fetischisten, die auch schon ab 10 Crad Ceslsius oben ohne fahren.

Naja, sollen sie auch dürfen, ist ja ihre Sache… meine Sache ist es aber auch, wenn ich darüber schmunzle.

Derweil habe ich, vom Einkauf zurückgekommen, wieder die zwei gleichen Probleme wie immer:

  1. Mehr eingekauft als ich wollte
  2. Weniger Kühlschrank als ich dachte

Und wie ich so vor dem Tiefkühlfach stehe und bemerke, dass die Lasagne, die zum Juni 2009 abgelaufen war, nicht verzehrt wurde, frage ich mich nicht nur wohin ich nun das ganze eingekaufte Zeug packen soll, sondern wieso eigentlich noch kein Kühlschrank erfunden wurde, der die Tetrismelodie spielt, sobald man ihn öffnet. Technisch kein Problem, mit dem Licht klappts doch auch. So hätte man beim Kühlschrankeinräumen wenigstens das Gefühl von guter Unterhaltung.

Notiz für später: unbedingt Gamerkühlschrank erfinden, große Marktlücke!

Der Unaussprechliche wünscht gute Reise

Geschrieben von Asmodeus am Dienstag, April 20th, 2010

Was genieße ich doch dieser Tage den Blick in den abendlichen Sternenhimmel.

Es ist bemerkenswert, wenn man nach oben schauen kann, ins All und sich dabei ins Gedächtnis ruft, dass manches Licht, das man heute Abend bei uns sehen kann, seine Reise schon angetreten hat, bevor auf unserem kleinen Staubhaufen ein Mann namens Jesus die seine begonnen haben soll. So lange schon (oder noch viel länger) ist so mancher Lichtpunkt unterwegs und ist doch, wenn er das Auge des Betrachters trifft, im Bruchteil eines Augenblicks wieder verpufft.

Der Blick in den Nachthimmel gefällt mir deshalb so gut, weil es ungewohnt ist, keine fliegenden blinkenden Lichter zu sehen. Die Flugzeuge in Europa sind am Boden – also genau dort, wo sich auch die Laune vieler gestrandeter Urlauber befindet – und das alles nur wegen einer Insel, die ein Großteil der europäischen Bevölkerung nicht einmal auf einer Weltkarte finden (oder allenfalls mit Grönland oder Irland verwechseln) würden.

Ist das nicht wunderbar ehrfurchtseinflößend zu bemerken, wie sehr wir in unserem technisch überheblichen Leben von einen aschespuckenden Berg (dessen Name kein Mensch unterhalb von 2,5 Promille fehlerfrei aussprechen kann)  tausende Kilometer entfernt in die Knie gezwungen werden? Ich finde sowas heilsam und notwendig für unser menschliches Bewusstsein, wähnen wir uns doch nicht nur biblisch als Gottes Bild, sondern spielen in Forschung und Technik selbst damit Gott sein zu wollen. Da kann so eine kleine Ohrfeige aus Island ganz gesund für unser Ego sein.

So manches, was selbstvertsändlich ist, ist eben gar nicht so selbstverständlich.

Es ist gut das nicht zu vergessen.

Grinsemänner

Geschrieben von Asmodeus am Samstag, April 10th, 2010

Zu keiner Zeit ist meine ganz persönliche Politikverdrossenheit höher als zu der Zeit, wenn die so genannte “heiße Phase” des Wahlkampfs beginnt.

Keine Straße kann man mehr entlang fahren ohne dass einem (auch von Steuergeld bezahlte) großflächig irgendwelche Grinsemänner zulächeln. Alle sorgen sie für Arbeit, Wohlstand, soziale Gerechtigkeit, bezahlbare Gesundheitsfürsorge und Weltfrieden… und manche interessiert das ganze auch weniger, solange sie nur legal MP3 und Filme kopieren können.

Regelmäßig alle vier Jahre rege ich mich über meine Landsleute auf, die sich wie Wahlvieh vor die Urnen führen lassen und genau den Leuten ihre Stimme geben, über die sie die letzten 4 Jahre nur gemeckert haben. Gut, so ist das eben in einem freien Land, denn damit es wirklich frei ist, muss man auch Dummköpfen ihre eigene Sichtweise zugestehen – sonst wäre die Freiheit dort, womit die Mehrheit unserer Wahlberechtigten zu denken scheint: im Arsch.

Mich ärgert nur, wie lernresistent der Deutsche Michel ist und dass er auch nach so vielen Wahlen noch immer auf die gleichen blumigen Versprechen und Täuschungen reinfällt, gerade so, als wäre die Demokratie gerade erst vor ein paar Jahren bei uns eingeführt worden. Kein Schwein (abgesehen von diversen vorausschauenden Menschen im journalistischen Bereich) regt sich darüber auf, dass man uns hartnäckig nicht sagen will, wo das Messer noch in diesem Jahr am Geldbeutel der Menschen angesetzt werden soll.

Natürlich weiß man das in Berlin schon heute. Natürlich weiß man, dass es unumgänglich ist (das ist zur Abwechslung auch mal die Wahrheit) und natürlich wird das auch passieren. Man sagt es uns aber nicht, denn man will die Steuerschätzung abwarten. Es ist natürlich reiner Zufall, dass vorher noch die extrem wichtige Landtagswahl in NRW stattfindet und mit einem schlechten Ausgang der Wahl auch die Mehrheit im Bundesrat kippt. Daher sagt man dem Wahlvieh lieber erst hinterher die Wahrheit, weil das viel besser ist udd es sowieso keinen interessiert, denn was der Deutsche nicht gesagt bekommt, ist auch nicht wahr. Wir sind eben zu allen Zeiten der Geschichte Meister der Selbsttäuschung.

Das Konzept ist aber auch nicht neu, denn die aktuelle Regierung hat das von der Opposition gelernt, die (als sie noch Regierungspartei war) das ebenso getan hat und die Wähler erst mit der “Merkelsteuer” (Erhöhung der MwSt) verängstigt und sie dann später auch noch selbst mitbeschlossen hat. (Interessante Mathematik: CDU kündigte 2% Erhöhung an, SPD versprach im Wahlkampf 0% und der Kompromiss belief sich dann auf 3%.)

Aber all das ist inzwischen vergessen. Bald wählt man wieder… obwohl jeder halbwegs intelligente Mensch WEISS dass uns die unangenehmen und bereits sicheren Wahrheiten verschwiegen werden, traben wir wie Vieh zur Urne. Da fällt mir ein Spruch aus einem Don Camillo Film ein: “Nur die dümmsten Kälber, wählen ihre Schlächter selber.”

Sicher, Wahlen müssen sein und Regieren ist kein Kinderspiel. Dass aber angesichts soviel Falschheit das Wahlvolk einfach regungslos bleibt, ist eine Sache, die mir einfach die Zornesröte ins Gesicht treibt. Nur ist in Zeiten wie diesen, wenn mir alle 5 Meter ein anderes Wahlplakat vor die Visage kommt, mein Blutdruck einfach chronisch oben.

In diesem Sinne schließe ich auch heute wieder mit meinem Lieblingszitat meines Lieblingspolitikers ab: “Everything hangs together”



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